Prix Courage 2021 geht an Cindy Kronenberg aus Sursee (LU)

Prix Courage 2021 geht an Cindy Kronenberg aus Sursee (LU)

Der «Prix Courage» geht dieses Jahr an Cindy Kronenberg aus dem luzernischen Sursee. Die mit 15’000 Franken dotierte Auszeichnung der Zeitschrift Beobachter wurde der Kinder- und Jugendarbeiterin an der heutigen Preisverleihung in feierlichem Rahmen überreicht. Cindy Kronenberg hat vor sechs Jahren sexuelle Gewalt erlebt – und obwohl es sie viel Überwindung kostet, spricht sie öffentlich über ihre schmerzvolle Erfahrung. Um andere Opfer nach einem solchen Erlebnis zu unterstützen, hat sie aus eigener Kraft die Anlaufstelle «vergewaltigt.ch» aufgebaut. Dort tauscht sie sich mit Betroffenen aus, vermittelt Expertinnen und sammelt hilfreiche Informationen. Das alles macht sie für die rund 430’000 Frauen in der Schweiz, die laut einer Umfrage von Amnesty International schon Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen gehabt haben. «Eine riesige Zahl», sagt Cindy Kronenberg. «Aber niemand spricht darüber. Und alle Betroffenen haben das Gefühl, mit ihrer Geschichte alleine zu sein.»

«Ein Austauschcafé, Begleitung von Vergewaltigungsopfern beim Gang ins Spital oder zur Polizei, Präventionskurse an Schulen – Cindy Kronenberg hat ihre erlittene Kränkung und Verletztheit in unglaublich viel positive Energie umgewandelt», sagt Jury-Präsidentin Susanne Hochuli in ihrer Laudatio. «Und vor allem möchte sie, dass die Öffentlichkeit irgendwann nicht mehr fragt, wie kurz der Rock oder wie hoch der Alkoholpegel des Opfers war. Die Frage muss sein, warum irgendjemand sexuelle Selbstbestimmung einfach missachtet hat. Cindy Kronenberg, wir danken Ihnen von Herzen für Ihren Einsatz, Ihren Mut, Ihre Energie für andere. Sie haben den Prix Courage 2021 wahrlich verdient.»

Gemeinsam mit Amnesty International engagiert sich Cindy Kronenberg für die laufende Revision des Schweizer Sexualstrafrechts. Ziel ist eine rechtliche Verankerung des Grundsatzes, dass sexuelle Handlungen die Zustimmung aller beteiligten Personen voraussetzen und sämtliche Formen von nicht-einvernehmlichem Geschlechtsverkehr nicht als «sexueller Übergriff», sondern als «Vergewaltigung» definiert werden.

Die Wahl des «Beobachter Prix Courage» erfolgt jeweils zur Hälfte durch die Leserinnen und Leser sowie eine Jury, welche ihre Punkte ohne Wissen des Votings vergibt und sich dieses Jahr wie folgt zusammensetzt:

  • Susanne Hochuli, ehem. Regierungsrätin Kanton Aargau, Jury-Präsidentin
  • Thomas Ihde, Psychiatrie-Chefarzt
  • Nils Melzer, Whistleblower-Experte
  • Nadya und Candid Pfister, Preisträger 2020
  • Iluska Grass, Preisträgerin 2019
  • Natalie Urwyler, Preisträgerin 2018
  • Remo Schmid, Preisträger 2017


Der mit 10’000 Franken dotierte «Beobachter Lifetime Award» für besondere Dienste an der Gesellschaft geht dieses Jahr an den Infektiologen Ruedi Lüthy. In den 80er-Jahren setzt er sich ein gegen die Ausgrenzung von an HIV erkrankten Menschen und wird so zum berühmtesten Aids-Arzt der Schweiz. Aufgrund seiner Unzufriedenheit mit dem Umgang der Schulmedizin mit der Krankheit kündigt Lüthy seinen prestigeträchtigen Job als Universitätsarzt und gründet gemeinsam mit seiner Frau Rosy in Harare in Simbabwe die Newlands-Clinic. Heute, 18 Jahre später, behandeln Ruedi Lüthy und sein 75-köpfiges Team jedes Jahr über 7’000 Menschen. Tausende Fachleute sind in mehrwöchigen Kursen ausgebildet worden. Der Kampf gegen Aids dauert an – aber die Aufgabe ist lösbar geworden.

«Ruedi Lüthys Leben ist im Rückblick von fast unheimlicher Stringenz», sagt Beobachter-Chefredaktor Dominique Strebel in seiner Laudatio. «Auf dem Weg selbst war es Suchen, Probieren, Hinfallen und Aufrappeln. Immer wieder getragen von seinen Leitsternen: Gerechtigkeit, Respekt und Hilfe in Not. Genau darum sind diese Menschen so inspirierend. Sie zeigen uns unser aller Potenzial. Genau darum gibt es den Prix Courage. Und genau darum verleiht die Beobachter-Redaktion dem Arzt und Aids-Pionier Ruedi Lüthy den Lifetime Award.»

Die Fotos der Preisträger und Nominierten sowie deren Portraits, Laudationes und weitere Infos finden Sie unter www.beobachter.ch/medien.

Ringier Axel Springer AG

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Über den Beobachter:
Der Beobachter ist das meistgelesene Bezahlmagazin der Schweiz und bietet seinen Leserinnen und Lesern tatkräftige Hilfe in allen Rechts- und Lebensfragen. Alle zwei Wochen liefert die Zeitschrift fundierte Informationen zu aktuellen Themen des Zeitgeschehens sowie ausgiebige Ratgeberinhalte, die auch jederzeit auf beobachter.ch abrufbar sind. Sein in den vergangenen Jahren stark ausgebautes Beratungszentrum bearbeitet jährlich über 100’000 Anfragen und bietet kompetente Orientierungs- und Entscheidungshilfen für ein selbstbestimmtes Leben. Mit über 80 Titeln ist die Beobachter-Edition der führende Ratgeberverlag der Schweiz. Die Stiftung SOS Beobachter, die Menschen in Not hilft, sowie der Prix Courage setzen Zeichen für ein solidarisches Zusammenleben.